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Ein
Blick zurück....
Der in Frankreich lebende Spanier Amoros war es, der bereits 1830
in einem, damals äußerst erfolgreichen Lehrbuch ("Manuel d'education
physique et morale"), dass immerhin noch 1859 in seiner 9. Auflage
erschien, von einem schiefen und ungleich hoch gestellten Barren schrieb.
In folgenden Zeiten hat sich aber
diese Barrenmodifikation nicht so recht durchsetzen können,
schon gar nicht als spezifisches Frauen-Turngerät, war doch
die gleichberechtigte Teilnahme des weiblichen Geschlechts lange
Zeit durch die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht möglich.
Waren zwar schon um die Jahrhundertwende Frauen in der Deutschen
Turnerschaft turnerisch aktiv, setzte der eigentliche Aufschwung
erst richtig nach dem zweiten Weltkrieg ein.
Mädchenturnen
um 1861 >>> |
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Davor ähnelte das Frauenturnen noch stark dem der Männer. Galt bei denen der Zwölfkampf als die "Krone des Männerturnens",
gab es für die Frauen erst einen Neunkampf, der als Mischwettkampf aus
Geräte- und Leichtathletikübungen bestand: Reck, Barren, Pferd, Pflichtfrei-
und Keulenübung sowie 100m-Lauf, Hochsprung und Ballweitwurf. In Deutschland
entstand um 1927 daraus ein Siebenkampf für die Frauen, der u.a. auch
eine Pflichtübung am Barren enthielt - allerdings noch mit gleich hohen
Holmen.
Erstmals
wurde die stufenförmige Anordnung der Barrenholme bei den
ersten Weltmeisterschaften für die Frauen 1934 in Budapest eingeführt....

Auf Werbefotos spielte
1936 aber schon der Stufenbarren eine Rolle |
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seine Olympiapremiere als Frauengerät feierte diese
Konstruktion dann 1936 in Berlin, allerdings standen dort
noch zwei Geräte bereit: Der Männerbarren für die
Pflichtübung - der "andere"
als Wahlgerät für die Kür. Von den damals führenden Nationen
entschied sich aber nur die Tschechoslowakei für den Stufenbarren.
Erstmals erkannte man darin die Tendenz zu einem "Doppelreck"
turnen,
ähnelten doch diese Übungen nicht mehr ausschließlich nur
dem Barrenturnen der Männer.
Käthe
Sohnemann
aus der deutschen Goldriege 1936
- noch am parallelen Barren >>> |
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Nach dem zweiten Weltkrieg, bei den Weltmeisterschaften in
1950 Basel, hatte sich der Stufenbarren noch immer nicht voll durchgesetzt,
konnten doch die Frauen noch (letztmalig) zwischen ihm und den Schaukelringen
wählen. Die Österreicherin Kolar und die Schwedin Pettersson trugen
sich als die ersten Weltmeisterinnen in das Buch der Turngeschichte
ein.

Britische Olympia-Vorbereitung
1952:
Paarturnen, "Just for fun" |
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Die Olympischen Spiele von Helsinki forcierten dann
2 Jahre später die Entwicklung des Gerätes, war es dort als
vollwertiges Gerät ausgeschrieben. Erste Stufenbarren-Olympiasiegerin
wurde die Ungarin Korondi. Zu den Welttitelkämpfen 1954 stand
dann der noch unverspannte Stufenbarren als vollwertiges und
alleiniges Gerät; die wachsende Dynamik des modernen Turnens
führte allerdings damals zu 39 (!) Holmenbrüchen! |
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Marjorie Carter (GBR) zu
den Olympischen Soielen in Hesinki 1952 |
In Deutschland-West ließ in den fünfziger
Jahren das Interesse nicht nur am Stufenbarren, sondern generell
an den internationalen Entwicklungslinien des Frauenturnens
nach. Im krassen Widerspruch dazu standen die Innovationen deutscher
Geräteentwickler wie Richard Reuther und Rudolf Spieth, die
erste brauchbare Konstruktionen verspannbarer Doppelrecks schon
anfangs der fünfziger Jahre schufen (Deutsches Turnfest 1953).
Aber erst 1965 stand beim Pfälzischen Landesturnfest ein perfekt
verspanntes Doppelreck mit Verstrebungen an allen vier Pfosten.
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Die Welturaufführung erfolgte dann zur V. Gymnaestrada in Wien,
die wahre Begeisterung bei den aktiven Turnerinnen auslöste und vom
Technischen Komitee des Weltturnverbandes konnte das Gerät kurz danach
zur Universiade in Budapest frei gegeben werden.
Der im Sommer 1966 als Patent angemeldete Stufenbarren stand aber in
Dortmund '66 noch nicht zur Weltmeisterschaft im Einsatz, hatte jedoch
in der Trainingspraxis längst eine neue Ära des Turnens eingeleitet.
Als in Dortmund die Kür der Deutsch-Amerikanerin Doris Fuchs-Brause
mit ihren pausenlosen Schwüngen, Flügen und Holmenwechseln am ehesten
den revolutionierenden Möglichkeiten des neuen Gerätes gerecht wurde,
gab es minutenlange Pfeifkonzerte im Auditorium: Hatten doch die Kampfrichterinnen
dieses "neue", dynamische Turnen mit ihren Bewertungen nicht
hinreichend gewürdigt...
Ein Jahr später
aber, bei
den Europameisterschaften der Turnerinnen in der niederländischen Hauptstadt
Amsterdam 1967, konnte das neue Doppel-Reck des Frauenturnens erstmals
eingesetzt werden. Vera Caslavska (CSR) wurde daran Europameisterin, die Deutsche (DDR) Karin Janz 1970 in Ljubljana erste Weltmeisterin an diesem
modernen Gerät, das in der Folge ständige technische Weiterentwicklungen
erfuhr.

Olympiasiegerin Karin Janz (DDR) 1972 mit ihrer Erfindung,
dem "Janz-Salto" |
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Maxi Gnauck (DDR) - ungeschlagene Stufenbarren-Königin von
1979 bis 1985
<<< Die Sufenbarren-Revolution:
Olga Korbut (URS), der "Spatz" von München mit dem
ersten Flickflack am oberen Holm
(Am 16. Mai
2005 wurde die in den USA lebende Ex-Turnerin 50 Jahre
alt.) |
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So führte die seit Mitte der
sechziger Jahre patentierte Einlage von drei Glasfibersträngen bei den
Olympischen Spielen 1972 in München zu keinem einzigen Holmenbruch mehr!
Ständige technische Weiterentwicklungen....
Daran war auch der niederländische Gerätehersteller Janssen&Fritsen beteiligt, der seit Mitte der sechziger Jahre internationale Turn-Großereignisse
ausstattet, 1968 seine olympische Gerätepremiere hatte und sich 1974
auch erstmals bei Weltmeisterschaften in Warna (Bulgarien) mit seinen
Gerätekreationen präsentierte.
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Wie zur WM Ghent 2001 stattete Janssen&Fritsen danach auch
die Wettbewerbe der Olympischen Spiele in Athen 2004 aus, und
lieferte die Geräte für Peking 2008
Dort
wurde u.a. z.B. der FIG-zertifizierte Hochleistungs- Stufenbarren mit
Doppelverspannung und patentierten Keilspannschiebern zur einfachsten
Verstellung eingesetzt.
Die runden Holme besitzen einen Glasfaserkern und Holzfurnierung.
(siehe Foto
rechts >>)
Als Partner der
"Vlaamse
Turnliga" VTL (BEL) wurde auch das neue und für die
Benelux-Staaten größte Turnleistungszentrum
in Gent ausgerüstet.
Zur Weltmeisterschaft 2001 diente diese
supermoderne Anlage - natürlich auch mit den derzeit modernsten
Stufenbarren - als offizielle Erwärmungs- und Einturnhalle vor
den Auftritten der Weltbesten in der Wettkampfarena der "Topsporthal
Vlanderen". |
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*Sources/ Quellen:
Geschichte der Turngeräte. J.Göhler; The History of British Gymnastics.
J.Prestidge; Das Turnjahrhundert der Deutschen. A.Götze/E.Herholz; Flickflack
Weltbühne des Turnens. A.Götze/H.-J.Zeume; Gerätturnen einst und jetzt.
W.Pahncke; Janssen&Fritsen.Katalog 2000)
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