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Fritz BÖHM, Lauscha |
Im thüringischen Glasbläserstädtchen Lauscha beging am Donnerstag (23. April 2026) einer der besten Turner der erste Jahre in der DDR, der Bäckersohn Fritz BÖHM, seinen 90. Geburtstag. In seinem erfolgreichsten Jahr 1958 stand der Deutsche 12-Kampf-Meister der DDR, dreifache Pauschenpferdchampion (1956 - '60) und DDR-Meister am Barren (1958) in der ersten WM-Riege der DDR, die in Moskau hinter der bundesdeutschen Mannschaft Rang acht erreichte. Er selbst war auf Rang 18 im Mehrkampf bester deutscher Turner. Von 1952 bis 1954 hatte er schon mehrere DDR-Jugendmeistertitel im Turnen gewonnen. Da die Trainingsbedingungen in Lauscha wegen damals fehlender „Turnhalle” und eines Übungsleiters für Böhm schlecht waren und der Vater ihn in der Bäckerei brauchte, wollte er eigentlich mit dem Turnen aufhören. Doch da wechselte er zu dem im Aufbau befindlichen Sportclub (SC) Motor Jena. Die erste Blütezeit des Turnens beim Jenaer Sportclub lag zwischen 1955 und 1960, als so hervorragende Turner wie Gerhard Braune, Lothar Heil, und dann eben auch Fritz Böhm u.a., für Jena starteten und mehrere Deutsche Meistertitel holten ...
Fritz BÖHM, Deutscher Barren-Meister der DDR (1958) in seinen "athletisch" besten Tagen am Strand ...
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Böhm: 3-maliger Pferdmeister |
Ab 1956 wurde Fritz Böhm, wie die meisten Spitzensportler des SC Motor Jena, bei Zeiss eingestellt. Seine Arbeitszeit ging von 6.00 bis 14.00 Uhr und erst danach war Training. Arbeiten durfte er aber in seinem Beruf bei einer staatlichen Konditorei. Anfangs wohnte er im Hotel „Zur Sonne” am Markt und bekam alle Auslagen wie Fahrgeld, Hotelkosten usw. erstattet. Nachdem er in das Internat des SC Motor in der Westbahnhofstraße umgezogen war, wurden ihm diese finanziellen Zuwendungen gekürzt. Da zog er wieder zurück nach Lauscha und kam nur noch Montag und Dienstag nach Jena. Nach einem Trainerwechsel - Eberhard Pollrich wurde als Trainer für die Männer eingesetzt - begann dann ab 1957 der sportliche Aufstieg des Fritz Böhm.
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Fritz wurde mit 20 Jahren in die DDR-Nationalmannschaft aufgenommen und absolvierte seine ersten Auslandseinsätze (Bukarest und Moskau). Bei den DDR-Meisterschaften in Chemnitz wurde er in der Gesamtwertung Vierter und am Pferd DDR-Meister.
1958 wurde sein erfolgreichstes Jahr in Jena: Er holte nach Pflicht + Kür den DDR-Meistertitel im Zwölfkampf sowie am Barren und am Pauschenpferd. Dazu kamen noch drei Silbermedaillen (Reck, Boden, Sprung). Im Dreiländerkampf Jugoslawien / Ungarn / DDR wurde er Gesamtsieger und bei den Weltmeisterschaften in Moskau wurde Fritz Böhm auf Platz 18 bester „gesamtdeutscher” Turner.
Noch im selben Jahr nahm er ein Sportstudium an der Universität in Jena auf und vertrat die Uni auch bei einigen Wettkämpfen im Rahmen der 400-Jahrfeierlichkeiten. Im Volkshaus fand z. B. der Städtevergleich Jena - Leipzig im Turnen und in der Gymnastik statt, und Böhm gewann die Einzelwertung bei den Männern. Für seine sportlichen Erfolge wurde Fritz Böhm im Oktober 1958 als Meister des Sports geehrt.
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Fritz Böhm beim Potsdamer Traditionstreffen deutscher Turner in Posdam 2013. <Klick for big |
Fritz Böhm gehörte zum Olympiakader für die Olympischen Spiele 1960 in Rom.
Da es im Studium in Jena aber keine Abstriche gab und die Trainingsbedingungen auf Grund des Fehlens einer guten „Turnhalle” mit fest eingebauten Geräten auch nicht optimal waren, wechselte er an die Deutsche Hochschule für Körperkultur, zum Sportclub DHfK, nach Leipzig.
Gleich bei seinem ersten Training in Leipzig verletzte er sich jedoch so schwer, dass er durch längeren Trainingsausfall seinen Spitzenplatz in der Nationalmannschaft verlor. Trotz Zweifel der Ärzte nahm er aber das Training nach seiner Gesundung wieder auf, verpasste jedoch die Aufnahme in die Olympiamannschaft um -0,4 Punkte im Zwölfkampf.
1962 konnte Fritz sein Studium in Leipzig als Diplomsportlehrer erfolgreich beenden und ging 1963 als Trainer und Lehrer an die Kinder- und Jugendsportschule nach Bad Blankenburg. Bis 1968 trainierte er dort einige so erfolgreiche Turner und spätere Trainer wie z. B. Bernd Jäger, Peter Nicolaus.
oder auch den späteren langjährigen Geschäftsführer des Thüringer Turnverbandes, Karl-Heinz Preidel.
Nach seiner aktiven Zeit war Fritz wieder in sein Heimatstädchen zurückgezogen und lebt heute weiterhin bis heute in Lauscha, besuchte aber regelmäßig auch die Traditionstreffen der beiden früher getrennten deutschen WM-Riegen
* Quelle: Hans-Georg Kremer /Jenas Sporthistorie in Wort und Bild Teil 2
Auch im Februar vor drei Jahren (2023) gab es in Leipzig / Markkleeberg ein herzliches Wiedersehen, als einer aus der legendären früheren DHfK-Riege seinen 80. Geburtstag feierte: Dr. Matthias BREHME (*Foto unten, links) und sein Verein TV Markkleeberg von 1871 geladen hatten - und viele Ehemalige kamen ...:

.. so auch Altmeister Fritz BÖHM (rechts) mit seiner Gattin Gisela und der Ex-Bayer, später eingebürgerte Leipziger nun längst ebenfalls Thüringer Erwin Koppe (2. von li).
Sehr zur Freude des Jubilars und seiner Gattin Gisela waren nun zum 90. Geburtstag am Donnerstag aus München einer der Turnhelden der DDR, war Siegfried FÜLLE ins Glasbläserstädtchen Lauscha zum Gratulieren angereist, wie auch sein Ex-DHfK-Stratege Erwin Koppe, die in den sechziger Jahren einst das Leipziger Weltspitzen-Trio Köste-Koppe-Fülle bildeten:

* Über 270 Jahre Lebens- und Turnerfahrung: Fritz BÖHM (Mitte) neben
Siegfried Fülle (re.) und Erwin Koppe (3. von rechts), die nach dem Jubilar) sich bei
den Folge-Weltmeisterschaften 1962 (Prag), 1966 (Dortmund) bis zu den Olympischen Spielen 1968 (Mexiko-City) in die Weltspitze vorarbeiteten.
Über Jahrzehnte halten nun schon diese Freundschaften, zu deren Kreisen sich auch längst die ex-altbundesdeutschen Strategen nach der politischen Wende gesellten, die bei regelmäßigen Olympia- und WM-Treffen und auch individuell miteinander noch immer herzliche Kontakte pflegen.
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Fritz, noch immer ein virtuoser Zitherspieler! |
Aber auch "Nachfolgejahrgänge" haben den deutschen Turn-Altmeister nicht vergessen: Da waren zur 90'er Nachfeier auch der Ex-DDR-Meister am Reck (1976) und spätere vielfache Deutsche Seniorenmeister Friedhard Beck und einige seiner Turnfreunde aus Zella-Mehlis angereist. Und als der agile neunzigjährige Fritz dann die Zither zum Klingen brachte, fiel den Jüngeren ihr erstes Winterlager 1968 in der "Ebermannsmühle" wieder ein - damals ein Ferienobjekt vom Mansfeld-Kombinat - " ... wo der Fritz Böhm schon alle mit seinen Zitherkünsten und seinen Skitechniken begeisterte - bleibende Erinnerungen!" - wie Friedhard Beck berichtete.
(c) gymmedia / Eckhard W. Herholz
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