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berl.ztg.:
Ein handfester Generationenkonflikt legt sich wie ein Schatten auf die
deutschen Meisterschaften im Turnen am Wochenende in Dessau. Ein Jahr nach
der Olympiapleite von Sydney setzt der Deutsche Turner-Bund (DTB) speziell
bei den Männern ganz auf den Nachwuchs, "Oldies" wie die beiden
in Australien verletzten früheren Weltmeister Waleri
Belenki (Stuttgart) und Sergej Charkow
(Dillingen) werden bei den nationalen Titelkämpfen bestenfalls noch
geduldet.
"Unsere Routiniers haben ihre
Verdienste, aber bei einem Neuaufbau unserer Riege stehen sie im Weg. Die
Alten helfen uns nicht weiter", formuliert DTB-Vizepräsident Eduard
Friedrich glasklar. Lediglich der noch an den Folgen einer
Ellenbogenoperation laborierende Hannoveraner Marius Toba passt wegen
seiner Finalchance an den Ringen bei den Weltmeisterschaften Anfang
November im belgischen Gent eventuell noch in den verbandsintern
verordneten Kurs der strikten Verjüngung.
Schwache Zwischenbilanz
Die Meisterschaften werden zeigen, ob es sich der DTB überhaupt
leisten kann, auf die altgedienten Recken schnöde zu verzichten. Bei
einer ersten WM-Qualifikation Mitte des
Monats in Kolkwitz bei Cottbus war Cheftrainer Rainer
Hanschke mit den Leistungen sowohl der alten als auch der
jungen Gerätartisten nur bedingt zufrieden: "Nur wenige Turner
konnten ihre Trainingsleistungen im Wettkampf umsetzen", bilanzierte
Hanschke. Die Chancen der als
"Auslaufmodelle" verunglimpften Turner, doch noch einen Platz in
der WM-Riege zu ergattern, stehen also nicht einmal so schlecht. Der
mittlerweile 32 Jahre alte Belenki, 1992 noch für den
Sowjetunion-Nachfolger GUS Mannschafts-Olympiasieger, will sich jedenfalls
nicht kampflos aufs Altenteil schieben lassen. "Ich möchte meine
Karriere mit einem Erfolgserlebnis beenden", sagt der gebürtige
Aserbaidschaner, der Sydney wegen einer gerissenen Bizepssehne verpasste. |

Friedrich und Belenki:
Erste persönliche Begegnung zur WM-Qualifikation in Kolkwitz
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Meisterin von 1994 tritt an
Herzlich willkommen wäre im WM-Team der Kunstturnerinnen hingegen
eine Athletin, die relativ gesehen mit 25 Jahren noch älter als die
Herren Belenki, Charkow und Toba ist. Zehn Jahre nach ihrer ersten
Teilnahme an Welttitelkämpfen versucht sich Gabi
Weller noch einmal an einem Comeback. Die gebürtige Gießenerin
hat jahrelang in den USA studiert und dort in Universitätsmannschaften
permanent weiter trainiert. "Gabi wäre von ihrer Erfahrung her eine
wichtige Stütze für unsere junge Riege", sagt Teamchefin Petra
Theiss. Sollte die Meisterin von 1994 jedoch nicht zu früherer
Form zurückfinden, wäre Titelverteidigerin Birgit
Schweigert aus Köln erste Sieganwärterin.
Während Theiss nach den Meisterschaften für
die WM die Rangfolge 1 bis 7 benennen will (auch im Hinblick auf den Länderkampf
am 6. Oktober in Madrid gegen Spanien und Rumänien), möchte Cheftrainer
Rainer Hanschke am Sonntag erst vier WM-Teilnehmer von sieben nominieren,
"alles andere findet sich nach dem Wettkampf gegen Japan und die
Schweiz am 20. Oktober in Freiburg". 
DEUTSCHE
MEISTERSCHAFTEN 2001 (Navigation)

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